Die Frauenbewegung ist eine der bedeutendsten sozialen Bewegungen, insbesondere der letzten vier Jahrzehnte. Im öffentlichen und auch im wissenschaftlichen Diskurs wird Feminismus meist als etwas homogenes dargestellt. Dass der Feminismus jedoch vielschichtig, komplex und heterogen ist, zeigt diese Arbeit am Thema Prostitution. Wie wird Prostitution als soziales Phänomen im feministischen Diskurs verhandelt? Welche Interpretationen desselben werden in diesem Diskurs gegeben? Diesen Fragen geht die Bachelorarbeit in der Perspektive der Diskursanalyse nach.
Zunächst wird dazu die Pluralität des Feminismus überblicksartig dargestellt, wobei in der Beschreibung der Heterogenität des feministischen Diskurses in der Thematik, den Perspektiven, Herangehensweisen und Positionierungen auch das den Feminismen „gemeinsame Band“ (Becker-Schmidt/Knapp 2007:7) im Blick behalten wird.
Anschließend daran erfolgt die methodische Grundlegung. Zurückgegriffen wird hierbei auf den Diskursbegriff Foucaults. Mittels der Verknüpfung des Foucault‘schen Diskursbegriffs mit dem Konzept Rahmen von Gerhards sowie demjenigen der Trennung von Deutungsangeboten und Deutungsvorgaben von Schwab-Trapp wird das begriffliche Instrumentarium aufgebaut. Mit diesem wird in den folgenden Kapiteln der feministische Diskurs zu Prostitution betrachtet, wobei eine umfangreiche Literaturbasis bearbeitet wird.
Anhand von Beispielen wird aufgezeigt, auf welche Art und Weise die AkteurInnen im Diskurs miteinander verhandeln. Wie wird der Diskurs verknappt, wie werden Deutungsangebote zu Deutungsvorgaben institutionalisiert, welche Strategien werden in den diskursiven Verhandlungen von den AkteurInnen eingesetzt?
Die Kapitel zwei, drei und vier stellen die Inhalte der diskursiven Verhandlungen dar. Dabei werden mittels der Methodik, die zuvor aufgebaut wurde, induktiv drei Rahmen identifiziert: Beruf, Patriarchat und Gesetzgebung. Innerhalb dieser Rahmen geben die AkteurInnen des Diskurses unterschiedliche Deutungsangebote; diese werden induktiv identifiziert und in idealtypischer Form dargestellt.
Im Rahmen Beruf werden getrennt zwei Felder von Deutungsangeboten betrachtet: Vier Deutungsangebote zur Normalisierung der Prostitution als Beruf beziehungsweise Abgrenzung hiervon und drei Deutungsangebote zur Prostitution als Verdienstmöglichkeit. Im Rahmen Patriarchat werden in einem Feld Deutungsangebote zur Frage gegeben, inwieweit die Prostitution das Patriarchat perpetuiert oder aufbricht. Identifiziert werden hierzu im Diskurs vier Deutungsangebote. In einem zweiten finden sich vier Deutungsangebote zu Freiwilligkeit versus Zwang. Die Darstellung der diskursiven Verhandlungen in diesen Rahmen ist der Schwerpunkt der Arbeit. Gefolgt wird sie von der Betrachtung des kollektiven Sprechens im Rahmen Gesetzgebung. Es zeigt sich eine starke und tiefgehende Heterogenität der Interpretationen des sozialen Phänomens Prostitution im feministischen Diskurs.
Abschließend werden im Fazit, nach einer zusammenfassenden Darstellung der Ergebnisse, diese rückbezogen auf die zu Anfang dargestellte Heterogenität des feministischen Diskurses. Geschlossen wird die Bachelorarbeit mit Fragen zur ‚Wurzel‘ der Heterogenität, der je zugrunde liegenden Definition von ‚feministisch‘, die mit ihren politischen Implikationen die Ebene der Diskursanalyse verlassen und auf die Position der Autorin verweisen.
Ich würde mich sehr über die Möglichkeit freuen, auf dem 3. Studentischen Soziologiekongress diese Bachelorarbeit im Rahmen eines Vortrags mit anschließender Diskussion vorstellen zu können.
Paper Sophie Maria Ruby.pdf (19 KB)

Paper Sophie Maria Ruby.pdf (19 KB)
Dieser Beitrag ist ein eingereichter Abstract zum 3. Studentischen Soziologiekongress und steht unter dem Urheberrecht der Verfasserin/des Verfassers!
Dieser Beitrag wurde eingereicht von sophie ruby.