Gleichstellung ist kein abgeschlossenes Thema, sondern ein laufender Prozess. Mit der Strategie des Gender Mainstreaming wurde ein politisches Leitprinzip zur Gleichstellung auf EU-Ebene eingeführt. Doch das Konzept wird u.a. in Hinsicht auf seinen Theoriehintergrund stark kritisiert. Warum sich der Dialog zwischen Frauen- und Geschlechterforschung und der Gleichstellungspolitik so schwierig gestaltet, welches Potenzial im Theoriediskurs steckt und ob es eine Gleichstellungspolitik geben kann, die die Theorie und die Praxis gleichermaßen miteinbezieht, soll in diesem Beitrag diskutiert werden.
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‘Obviously I’m not a dick, right?’ – Positionierungen von Männlichkeit auf der medialisierten Konversationsebene einer Datingshow
Die soziolinguistische Studie, die ich auf dem Kongress vorstellen möchte, befasst sich mit der Konstruktion von Männlichkeiten auf der Mikro-Ebene ‘natürlich auftretender’ Unterhaltung in einer rein männlichen peer group. Gesondert hinzu tritt der Faktor, dass die Teilnehmer während der analysierten Aufnahme die britische Dating– und Game Show ‘Take Me Out’ ansahen. Die Betrachtung der spezifischen Techniken, die die Teilnehmer zur Positionierung variabler ‘männlicher’ Identitäten einsetzen, ist somit gepaart einer Analyse der Gesprächsebene, wie sie durch die TV-Sendung bereitgestellt wird. Die Arbeit ist in einem Bachelor-Level Soziolinguistikkurs am King’s College London entstanden und bezieht sich (neben einer generellen Einordnung in die Forschungsrichtung der kritischen Männlichkeitsstudien) auf zwei theoretische Grundlagen: einerseits den ‘Positioning Approach’ zur Identitätsbildung aus dem Bereich der diskursiven Psychologie (Korobov/Bamberg 2007) und der Analyse Helen Woods, die Medienkonsum als Interaktion auf einer ‘medialisierten Konversationssebene’ (mediated conversational floor) versteht (Wood 2007). Nach einer kurzen Einführung in diese Ansätze und ihre jeweilige Verortung möchte ich anhand ausgewählter Beispiele aus den transkribierten Unterhaltungen einige Techniken herausstellen, die die Teilnehmer zur Positionierung von gegenderten Identitäten einsetzen. Der Fokus der Präsentation soll somit auf den generell unbemerkten, kreativen Verhandlungen liegen, in denen Gender in alltäglichen Situationen und unter Einbezug von Medien reproduziert wird. Eine strukturelle Einbettung dieser Funde ist daher nicht vorgesehen. Die Textsamples und die ursprüngliche Arbeit liegen in englischer Sprache vor, der Vortrag selbst wird jedoch auf Deutsch gehalten.
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Dieser Beitrag wurde eingereicht von Linus Westheuser.
Über das Sprechen der ‚Einen‘ und das Schweigen der ‚Anderen‘. Eine feministisch-postkoloniale Reflexion der „Frauenrecht ist Menschenrecht“ Bewegung.
Das ‚Frauen‘ den ‚Männern‘ gleichgestellt sind, ist immer noch ein gesellschaftspolitisches Ziel. Zweifelsohne lässt sich aus einer historischen Perspektive eine deutliche Verbesserung und Angleichung von Rechten von Frauen nachzeichnen, doch ist die Verwirklichung des Egalitarismusansatzes noch in weiter Ferne. Es stellt sich die Frage, wie Emanzipation erreicht werden kann. Wie sollen feministische Bewegungen und deren Forderungen gestaltet werden, um eine Befreiung von diversen Unterdrückungsstrukturen zu erreichen? In meinem Vortrag möchte ich die Bewegung „Frauenrecht ist Menschenrecht“ auf ihren emanzipatorischen Gehalt hin diskutieren und auf die Ambivalenzen von Verrechtlichungsprozessen eingehen. Im Zuge dessen möchte ich die Identitätspolitiken in der feministischen Bewegung herausstellen und die Exklusion von z.B. Transgender problematisieren.
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Dieser Beitrag wurde eingereicht von Wedermann.
Migration und Exklusion – Zur sozialen Ausgrenzung von jungen türkischstämmigen Erwachsenen in Wien
Ziel des Vortrags ist es, auf Basis problemzentrierter Interviews Erfahrungen junger türkischstämmiger Menschen mit Exklusion in verschiedenen Lebensbereichen darzustellen und die daraus folgenden sozialen Konsequenzen abzubilden. Spezielles Interesse gilt den entwickelten Strategien, wie mit Ausgrenzung umgegangen wird bzw. wie sich diese Strategien im Laufe der Zeit geändert haben. Inwiefern unterscheiden sich die Biographien der sozial Inkludierten von denen der sozial Exkludierten? Warum werden/sind Manche weniger ausgegrenzt als Andere? Die Analyse wird zeigen, dass selbst diejenigen jungen türkischstämmigen Erwachsenen, die erfolgreich in die gesellschaftliche Struktur eingebettet sind und sich mit der österreichischen Gesellschaft identifizieren, im alltäglichen Leben mit Ausgrenzungen und diskriminierenden Praktiken konfrontiert sind. Der Vortrag soll verdeutlichen, dass die sozialstrukturelle Zusammensetzung der MigrantInnen allein keine ausreichende Erklärungsinstanz für deren benachteiligte Stellung in der Gesellschaft ist.
Dieser Beitrag wurde eingereicht von LauraW.
Muslimisch? Deutsch? Oder deutsch-muslimisch? Religiöse Identitätskonstruktionen junger Frauen im Kontext widersprüchlicher Zugehörigkeiten
Für heranwachsende Muslime in Deutschland wird vielfach argumentiert, dass für sie die Identifikation mit der deutschen Gesellschaft aufgrund der gesellschaftlichen Konzeption des „Ausländers“ und des deutschen, nach Logik der Abstammung definierten Nationalverständnisses, verwehrt bleibt (vgl. Amir-Moazami 2007: 228). In den letzten Jahren hat sich jedoch entgegen dieser Diagnose eine muslimische Jugendszene entwickelt, die sich explizit innerhalb der deutschen Gesellschaft verortet. Die sich darin bewegenden Identitäten versuchen in ihren Selbstbildern die Dichotomisierung zwischen deutsch und muslimisch aufzubrechen und durch eine wechselseitige Aushandlung beider Identifikationen traditionelle Zugehörigkeitskontexte in Frage zu stellen.
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Dieser Beitrag wurde eingereicht von alettad.
Everyday life in a refugee camp: socio-spatial practices and interaction dynamics in a case study carried out in Turin, Italy.
A relevant authority is put to use on the life of asylum seekers by national immigration policies, both in terms of displacement and conferment of a nationality status.
In what ways does this affect everyday life in a refugee camp? How do displaced persons, such as asylum seekers, redefine their daily life in a new place and how do they recreate social spaces? In what ways are spaces and their definition influencing everyday life? How do Italian authorities managing the camp, deal with asylum seekers?
This paper is an account of a field study which was based on a two- month long participant observation (complemented with semi- structured interviews) in a refugee camp nearby Turin, in northern Italy.
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Dieser Beitrag wurde eingereicht von Giulia Borri.
Verursachen Funken ein Feuer? Eine qualitative organisationssoziologische Fallstudie an der Grenze von Bildung und Wissenschaft
Seien
es
Lissabon
und
dessen
angestrebte
Wissensgesellschaft
oder
Bologna
und
sein
dreigliedriges
Studiensystem:
Wissen
ist
ein
fester
Bestandteil
des
politischen
Diskurses
der
EU‐Staaten.
Ein
zentraler
Schauplatz
dieses
Feldes
sind
die
Institutionen
der
Wissensvermittlung
Schule
und
Universität.
Die
durch
sie
repräsentierten
gesellschaftlichen
Funktionssysteme,
Bildung
und
Wissenschaft,
werden
dabei
vermehrt
mit
dem
Fokus
auf
die
„Transformation“
der
SchülerInnen
zu
Studierenden
betrachtet.
Ob
ein
sorgsamer
Blick
auf
die
niedrige
Zahl
der
Studienabschlüsse
in
den
MINT‐Fächern
(Mathematik,
Informatik,
Naturwissenschaft,
Technik)
oder
die
Kritik
einer
zu
langen
Studiendauer:
eine
gemeinsame
Lösung
ist
die,
dass
die
einzelnen
SchülerInnen
auf
Basis
des
„richtigen“
Wissens
StudentInnen
werden
sollen
und
dadurch
den
Wechsel
zwischen
den
Systemen
möglichst
reibungslos
vollziehen
sollen.
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Dieser Beitrag wurde eingereicht von daniela.
Komplexe alte neue Bildungswelt – Ergebnisse einer empirischen Untersuchung zu Bildung und Studium in den Sozialwissenschaften
Es sollen hier die empirischen Ergebnisse einer kritischen Studie zur studentischen Lebensweltforschung aus dem Jahr 2009/2010 vorgestellt werden. Der Vortrag zielt auf die sich im Wandel befindende Bildungskultur und soll die Transformationen innerhalb des Hochschulwesens aus zeitdiagnostischer Perspektive und auf empirischer Grundlage diskutieren.
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Deprofessionalisierung der Wissenschaft durch Evaluationen?
“Wissenschaft [steht] unter Beobachtung” (Matthies/Simon 2007) und leidet mittlerweile möglicherweise sogar an “Evaluitis” (Frey 2007), denn innerhalb der letzten Jahre sind Wissenschaftsevaluationen wie Pilze aus dem Boden geschossen. Fast jede deutsche Wissenschaftseinrichtung führt inzwischen eigene Evaluationen durch, der Bund verteilt via Evaluation in der Exzellenzinitiative Geld an die Hochschulen, Universitätsrankings sind zur Normalität geworden, in Großbritannien hängt gar die Grundfinanzierung der Universitäten von einem solchen Ranking-Platz ab, Ratings sind eine durch den Wissenschaftsrat derzeit erprobte Alternative, und auch die Zukunft von NachwuchsgruppenleiterInnen oder JuniorprofessorInnen hängt von Evaluationen ab. Wissenschaft scheint also Teil der “Audit Society” (Power 1997) geworden zu sein.
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Dieser Beitrag wurde eingereicht von sandra.matthaeus.
Dawn of Sociology – Postessentielle Naturen komplexer Gesellschaften
„Damit nun kehren die Menschen in die Welt zurück […]. War sie früher unser Herr, später dann unser Sklave, jedenfalls immer unser Wirt, ist sie heute unser Symbiont.“ Michel Serres Natur wird meist als das angesehen, was dem Sozialen gegenüber steht, ein menschenleerer Raum. Natur beschreibt gerade das, was nicht zur Gesellschaft gehört, das was nicht menschlich bzw. sozial ist. Von einem solchen Verständnis ausgehend, zeigen uns dagegen Ereignisse in 2010 und 2011, wie der Ausbruch des Eyjafjallajökull auf Island, die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko oder das Erdbeben und der Tsunami von Japan, die Verstrickung von Natur und Sozialem. Dabei geht es nicht nur um Katastrophen. Populär diskutiert ist der Zusammenhang von Klimawandel, Politik und Gesellschaft.
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Dieser Beitrag wurde eingereicht von Michael Wutzler.
